»Schmeiß die Platten weg!«, brüllt der Kollege in der roten Gangster Rap Posse-Jacke DJ MAD an. »Niemals!«, schreit MAD atemlos zurück und spurtet, die Platten an den Körper gepresst, die Mö runter. Panisch auf der Suche nach einem Versteck. Vom Auftrittsort Markthalle bis zum Mönckebergbrunnen werden sie von der feindlichen Rap-Crew schon gejagt. MAD hechtet unter einen Weihnachtsmarkt-Stand, muss zuhören, wie der Kollege aufs Maul bekommt. Er hat Glück und bleibt verschont. Ein Nachtbus bringt ihn heim nach Norderstedt, kein Geld fürs Ticket, aber die Platten immer noch unterm Arm. Endlich sicher im Bett denkt Guido: »Alterschwede, heißes Pflaster für den ersten Auftritt!« Von heute an wird er für die nächsten 20+ Jahre Platten legen.
Technik-Fan Guido liebt als Kind schon alles was Knöpfe hat und bunt beleuchtet ist, sammelt Radios und dreht an Vaters Dach-Antenne um Tim Westwoods Capital Rap Show auf BFBS empfangen zu können. In der Roller-Disco am Ochsenzoll interessiert ihn das Handwerkszeug des Disc-Jockeys mehr als die fancy Mädchen, die am Pult vorüberrollen. Weiße Handschuhe sind schnell besorgt, das erste Set aus Conrad-Mischpult und Lenco L75 Turntables kurz darauf. Vom ersten Lehrgeld dann die ersten Technics. Endlich. »Zwei Soundquellen zur gleichen Zeit aus einem Lautsprecher, das war extrem faszinierend«, leuchten Guidos Augen heute noch. Auf einmal war ein Song, war Musik, nicht mehr in Stein gemeißelt, sondern vermischbar. Es hieß nicht mehr nur Lied 2 folgt auf Lied 1, »Man konnte daran rumbasteln, etwas neues daraus schaffen.« Inspiriert von Don Martin und Spion & Spion heißt Guido Weiss bald nur noch DJ MAD.
Ein gutes Jahr später fummelt MAD bei einem „Absolute Beginners“ (damals noch mit „s“) -Gig die Anlage heile – ungefragt, aber erfolgreich. Grund genug für Denyo und Eißfeldt ihn vom Fleck weg in die Band zu holen. Ausgestattet mit Fantasie und Know-how sind die kommenden 15 Jahre Beginner Geschichte. Und DJ MAD geht grundsätzlich mit der Brechstange auf Tour. Er hebelt schon mal vor dem Club Gehwegplatten aus dem Bürgersteig für besseren Live-Sound. »Wir konnten einfach lauter drehen als alle anderen, weil die Rückkoppelungen später einsetzten.« Luftmatratze, Gehwegplatten und darauf die Turntables, so besorgt MAD seinen Plattennadeln Air Ride, da konnten die beiden Rapper vor ihm hüpfen und springen wie die Irren. Weiterlesen »»