Pressestimmen
Die Presse schreibt: „erfrischend unkonventionell, sehr originell und höchst lebendig“ (ROCK HARD); der METAL HAMMER gibt 7 von 7 Punkten; SONIC SEDUCER meint: „herrlich nah am Leben“. Allschools: „für Kreatorfans, Musikliebhaber, Punker, Metaler, Rocker, Hiphoper, Leute aus dem Pott, Personen mit Visionen, Menschen mit Schalk im Nacken und Spaß in den Backen.“; Coolibri packt es in einen Satz: „Schimanski, Schlote, Grönemeyer, Currywurst“; Alternativmusik sagt: „humorvoll und schön persönlich“. Astrein auch der Terrorverlag: „authentisch, holprig, platt, Gossen-Feeling“; Gästeliste: „ungemein lebendig und echt. Live quasi.“; Whiskey-Soda: „erklärt die Intention“; Vampster: „beeindruckend“; Laut/Pro7/GMX: „äußerst amüsante Tour-Stories“ und Laxmag: „interessant für Menschen, die sich mit Heavy-Metal noch nicht befasst haben“. Bizarre-Radio schreibt: „das Beste aus dem Genre herausgeholt“. Metalnews schaut genau hin: „vom Foto her nicht unbedingt beinharter Metaller“, ebenso wie Musikreviews: „mit Rautenpullunder, Hemd und freundlichem Lächeln“. Beatblogger: „charmant und hervorragend zusammengeleimt“; Heavy-Metal: „saucool, dass alte Haudegen dabei sind“; Burnyourears: „viele Anekdoten und legendäre Sprüche“; Metal: „spannend, witzig, sehr sympathisch“. Die feuilletonistischste Analyse liefert Globe-M: „Charakterstudie und Ortsbestimmung“ und zwar „in breitestem Ruhrpottdeutsch“ (Music-Scan).
Unterm Strich: „lustig, traurig, thrashig“ (Metalglory), „mit atmosphärischer Feder gezeichnet“ (Soundbase), schlicht „Pleasure to read“ resümiert VISIONS.
Das erste Kapitel beginnt so:
»Miland Petrozza starrt ins Leere. Unsanft lässt er den Gitarrenkoffer auf den Boden fallen, schiebt den Trageriemen des speckigen Handgepäcks von der Schulter und schließt seine Bude auf. Noch nie hat sich nach Hause zu kommen so wertlos angefühlt. Das Schulterklopfen von gestern Abend hallt noch nach, aber die letzten Umarmungen fühlen sich an wie der Abschied von der besten Zeit seines Lebens. Die Birne brummt, die Band ist im Arsch, Metal ist tot wie eine reitende Leiche. Alles, wofür Petrozza die letzten 15 Jahre gelebt hat, ist hinüber. Es ist Ende Februar 2000 und nicht nur an den Ohren ist es kalt.
Die Tour mit Moonspell als Headliner war eine schmerzhafte Farce. Bei allem Respekt, Kreator als Vorband von Moonspell. An Kohle bekommt niemand, womit er gerechnet hat. Management, Promotion, Line Up, Produzenten, Plattenverkäufe – nichts passt mehr zueinander. Das ist der Weg auf das Abstellgleis. Einmal zu hart an der Bong gerissen, einmal zu oft am Tisch gerochen und einmal zu arg den falschen Tune getroffen. Arrivederci, Thrash Altenessen. Willkommen, Tristesse Essen, Alter.
Alles hinzuschmeißen lag nie näher als jetzt. So wie der Abraum der Kohlebergwerke auf der Halde landet, fliegt eine weitere Band auf den Trümmerhaufen der Geschichte. Ausgewrungen, leblos, nutzlos. Nichts rechtfertigt die Existenz einer Band, wenn sie mit sich selbst nicht mehr im Reinen ist, für das Publikum nur noch in der Erinnerung an bessere Tage existiert. Aber ganz so einfach gibt Miland Petrozza nicht auf, denkt an Speesy, denkt an Jülle:
„Wir müssen reden. Wir müssen uns besinnen – auf das, was uns groß gemacht hat. Auf das, was uns ausgemacht hat. Wir waren eine Macht.“
„Wir brauchen neues Blut, ruf den Finnen an. Das war doch gut mit dem auf Tour vor zwei Jahren.“
„Wir hacken die alten Zöpfe ab, wir schreiben keiner Plattenfirma Hits für die Charts, wir nehmen die Organisation selbst in die Hand.“
„Wir müssen wieder thrashen, alles wegblasen, uns erinnern, wie damals alles angefangen hat.“
Angefangen hat die Geschichte vielleicht irgendwo im tiefsten Kalabrien, wo die Sonne brennt und man sich besser vor ihr verbirgt. Wo ein Schuster mit Filmvorführungen und dem Schnitzen von Prothesen für die Krüppel des letzten Krieges seine Familie ernährt. Bis er stirbt und sein Sohn bereits mit Zwölf für die Mutter sorgen muss. Solange, bis er es satt hat und seine Zukunft in der Ferne sucht. Vielleicht hat die Geschichte auch ein Stück weiter nördlich begonnen, in L'Aquila, nicht weit von Rom. Dort, wo heute noch die Erde mit fürchterlichen Grind-Geräuschen ankündigt, dass sie gleich die Häuser in die Tiefe ziehen wird, egal, wie viele Hundert Jahre sie dort bereits stehen. Von wo aus drei Brüder nach Deutschland ziehen und einer nach Frankreich, auf der Suche nach dem Glück – wenn eine Knüppelarbeit ohne Sonnenlicht das überhaupt verheißen kann. Vielleicht liegen die Wurzeln auch irgendwo in Polen, Ostpreußen, sonst wo östlich von Berlin. Dort wo es genauso wenig zu holen gibt, nachdem die Armeen der unterschiedlichsten Feldherren hindurchgeritten sind.
Kowalski, Schimanski, Petrozza, Kokoschinski, Wiesioreck, Kopec, Fioretti, Grzeca oder eben auch Trzebiatowski. Irgendwie mussten Eltern ja heißen und es war von Anfang an das verbindende Element, dass Nachnamen absurd verquer geschrieben werden wollten. Sogar ausgesprochen werden mussten und deshalb bald in Spitznamen endeten. Dieses Potpourri war der alltägliche Ausdruck einer bunten Mischung. Abgrenzung unnötig. Zusammengehörigkeit unvermeidbar. Wenn der da Italiener war, Yugo, Türke, Pole oder sonstwatt, dann diente die Bezeichnung allein einer erhöhten Wiedererkennung, niemals einer ethnischen Abgrenzung. Unter Tage sind alle Fratzen grau. Genau dort, wo man den Himmel nicht sieht, waren die Väter aufeinander getroffen, die den Anfang der Geschichte begründen.
Ruhrgebiet 70er Jahre. Essen Nord, Altenessen. Im Schatten des Emscherschnellweges beschreibt die Hohendahlstraße ein U, gleich gegenüber liegt die Emscherschule, rechts um die Ecke geht es in die Thiesstraße. Auf wenigen Metern wächst eine gehörige Zahl von Jungs im gleichen Alter miteinander auf. Die Väter gehen zum Pütt, die Mütter bekommen viele Blagen. Die Wohnungen sind eng, Kindheit und Adoleszenz spielen sich auf der Straße ab. «